Musik

Haiyti aka Robbery – City Tarif (Review)

ms – Ich war noch intensiv mit dem Hören des eben erst kostenlos gewordenen Albums „Havarie“ beschäftigt, da droppt Haiyti aka Robbery schon den nächsten Release. Zuletzt hatte Haiyti mich mit dem Featuretrack „Das hat nichts zu bedeuten“, zusammen mit Juicy Gay, produziert von Asadjohn begeistert. Das neue Tape „City Tarif“ ist auch hauptsächlich von diesem Produzenten mit Instrumentals versehen.

Vielleicht sollte ich diese Review damit beginnen, dass ich 1 bisschen in Haiytis Stimme verliebt bin (ruf mich an), weshalb mir am meisten ihre Tracks taugen, in denen sie ihre Stimme vielseitig einsetzt. Das beste Beispiel auf „City Tarif“ ist hierfür meiner Meinung nach der Track „Festgenommen“, ein meisterlicher Mix aus pointiertem Kreischen, schrillen Stimmausreißern und sanft gesungenen Doubles. Vom Vibe her ist dieser Track auch erstaunlich düster und zeichnet gerade in der zweiten Strophe ein sehr nihilistisches Stimmungsbild vom Hamburger Szeneviertel-Lifestyle, den Haiyti sonst fast schon glorifiziert. Eine interessante Beobachtung an „Festgenommen“ finde ich außerdem, dass die Introbars in einer anderen Tonart als der Rest vom Beat sind, was den Track beim Repeathören überraschend frisch hält. Ob das die Intention hinter dieser Entscheidung war bezweifle ich, aber trotzdem ein nicer und chilliger Effekt.
Ein weiterer Favorit von mir ist der Introtrack „Chicago“. Besser hätte das Tape nicht beginnen können. Eine einfache Melodie, eine simple Akkordfolge, eine Bassline die spontane Muskelzuckungen bei mir auslöst und im Hintergrund immer wieder sehr subtile Verzierungen mit Piano- und Glockensounds. Darauf singt Haiyti in hypnotisierendem Flow ein paar kurze und einprägsame Lines.
Ein Track der mich vollkommen unvorbereitet erwischt hat ist „Runter von der Straße“. Selten habe ich so wenige Ficks in Musikform gehört. Das Sample des Beats könnte locker aus dem Themesong eines Horrorfilms sein, und das Schlachten des Trommelfells durch dieses Trapmassaker kann locker mit texanischen Kettensägenmördern mithalten. Diesen Track will ich unbedingt einmal live erleben. Positiv ist anzumerken, dass die Hook für einen durchschnittlichen Traptrack relativ viele individuelle Wörter enthält.
Mein Lieblingsinstrumental auf dem Tape ist wahrscheinlich „Club Money“, auch die Parts von Haiyti und Frauenarzt finde ich sehr gut anzuhören, allerdings finde ich den Track, vor allem die Hook, insgesamt etwas flach.
Nochmal auf die Fresse haut uns „City Tarif“ mit dem Rausschmeißer „Quadro“, dem wahrscheinlich besten Mitgröhltrack des Tapes. Zu keiner Sekunde lässt Haiyti mit ihrem Flow den Druck sinken. Adrenalin in Musikform.

FESTGENOMMEN WEGEN SEXY

Ausgerechnet die beiden Singles aus dem Tape, „Pete Doherty“ und der Titeltrack „City Tarif“, konnten mich überhaupt nicht begeistern. Während mir bei ersterem jegliche Richtung fehlt, in die sich der Track bewegen könnte, finde ich bei letzterem den Beat extrem schwach. Der Synth klingt extrem billig und die Melodie nach einem seichten 80er Jahre NDW Track.

Sehr lobend möchte ich hervorheben, dass Haiyti aka Robbery es schafft, herrausragende und einprägsame Tracks zu schaffen, ohne dass diese auf ein Gimmick, z.b. ein provokantes Thema oder eine besonders bescheuerte Hook, zurückgreifen. Ich möchte behaupten dass sie die ernsthafteste Künstlerin ihres Genres in Deutschland ist, weil sie es sich erlauben kann. Sie liebt ihren Lifestyle und kann damit umgehen, während ich ganz froh bin hier an meinem PC zu sitzen und nicht mit Speedleichen in meiner Stammbar zu hängen. Es ist mir relativ egal ob Haiyti im echten Leben vielleicht Steuerberaterin ist, ihre Musik ist in sich extrem stimmig und authentisch. Ich habe auch das Gefühl dass sie mit „City Tarif“ die Balance gefunden hat, mit ihrem Status als weiblicher Rapper umzugehen. Fand ich die Perspektive auf „Havarie“ noch sehr maskulin und auf „Drop In Musik“ sehr feminin (wobei das wahrscheinlich zum Konzept gehörte), habe ich den Eindruck auf „City Tarif“ einer Frau zuzuhören, der ihr eigenes Geschlecht als Teil ihrer Musik bewusst, aber egal ist. Tracks wie „Gigolo“ und „Wie es ist“ hören sich auf angenehme Weise persönlich an und vermitteln einen anderen Zugang zum Gesamtwerk von Haiyti aka Robbery, als beispielsweise Tracks wie „Geburtstag“ und „Fußboden“.
Natürlich möchte ich noch die Produzenten Asadjohn, mdmx, GEE Futuristic & Yung Nikki3000 für ihre sehr professionelle Instrumentalisierung des Tapes erwähnen. Auch wenn mir einzelne Beats nicht so sehr taugen, haben alle Producer insgesamt super hot fire abgeliefert, das ich mir gerne beim Zocken und U-Bahnfahren anhöre.

„City Tarif“ von Haiyti aka Robbery erhält von mir die Bewertung „Erst war es nur ein Blickgefecht, dann hat er für den Fick geblecht, die dumme Sau“.

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