Musik

Maverick Berlin – Loser EP (Analyse)

ms – FREE MAVERICK BERLIN. Unser polnischer Lieblingsrapper droppt eine EP und verabschiedet sich dann in den Knast. Angeblich hat er heute um 8:30 seine Haft angetreten und seitdem tatsächlich verdächtigerweise nichts gepostet. Wenn man sich seinen sonstigen Socialmediagrind anschaut, dann weiß man, dass er wirklich verhindert sein muss (Update: Noch bevor ich diesen Artikel fertig schreiben konnte, war er auf Kaution wieder frei). Hoffentlich freut er sich über diesen Artikel wenn er rauskommt. Anmerkung: Da ich persönlich sehr mit Maverick ficke (nohomo) wird das hier keine objektive Review sondern einfach eine Auseinandersetzung mit dem Werk.

Der Introtrack „Kennedy“ liefert gleich eine mögliche Erklärung dafür, warum Maverick vom CIA interniert wurde. In der Hook offenbart er das Motiv des Todesschützen Lee Harvey Oswald für den Mord am amerikanischen Präsidenten in Dallas: Neid. Abgesehen von diesem Insiderwissen teilt Maverick mit uns Strophen voller Hoffnung, Zweifel, Wut und Liebe. Mit diesen gegensätzlichen Stimmungen führt er damit sehr übersichtlich die Thematiken für die ganze EP ein, bevor er sich jedem Thema nochmal in einem eigenen Track widmet.

Bald fliegen Kugeln aus Neid so wie bei Kennedy

Der wohl optimistischste Track der EP ist „Ed Wood“. Das Instrumental ist grausam produziert und wird wahrscheinlich noch so einige Beats by Dr. Dre und Trommelfelle hinrichten, trotzdem höre ich mir diesen Track immer wieder todesmutig an, da ich mir gerne vorstelle, dass Maverick mit diesen Gedanken im Kopf durch den Tag geht und sich immer gut fühlt. Das Video zu dieser Single ist außerdem extrem kurzweilig und zaubert wieder und wieder ein Lächeln in mein Gesicht.
Geheimer Fakt: Vor einem halben Jahr noch habe ich von Kupfermünzen und Flaschenpfand gelebt, deshalb kann ich mich sehr gut mit dem Track „Ostblockconnection“ identifizieren, obwohl ich eher Member der „Westafrikaconnection“ bin. Noch immer basiert mein Lebensentwurf auf der Gutmütigkeit meiner Mitmenschen und ich versuche so viel es geht davon zurückzugeben, um mein Karma auszugleichen. In der Hood ist es wichtig sich mit Leuten zu umgeben, die dir nicht das Hawk zwischen die Rippen hauen und dieses Gefühl hat Maverick mit diesem Titel perfekt eingefangen. Brutos Brutaloz‘ Part war das Erste, was ich je von ihm gehört habe. Sagen wir so: Er hat genug Neugier bei mir geweckt, dass ich ein paar seiner Videos geschaut habe und eine sehr gute Zeit dabei hatte. Ich kann seine Ästhetik auf Augenhöhe respektieren und schätzen, auch wenn ich ihn für keinen guten Rapper halte.
Ernsthafter sind Tracks wie „Glücksfee“ und „Ein letztes Mal“, die ich jedoch eher als dankbaren Rückblick zu den eigenen Wurzeln werte, statt als traurige Konfrontation mit der Realität des Alltags. Es ist wichtig geerdet zu bleiben.
Der Track „Broke & Cash“ mit Money Boy-Feature ist bei mir bis auf das Gimmick der Gegensätze zweier Lifestyles leider nicht besonders hängen geblieben.

Die Beats würde ich euphemistisch als „zeitlos“ bezeichnen. Kein Instrumental hat mich von den Socken gehauen oder ist irgendwie besonders hängen geblieben, zum Teil ist die Produktion sogar auffällig grob. Tontechnisch ist das leider eindeutig kein professioneller Release. Wenn man darüber hinwegsieht, dass Maverick einen sehr starken Akzent hat, sind seine Raps gerade für einen Nicht-Muttersprachler stabil. Man hört die Realness aus jeder Zeile und spürt wie er nachts bei Kerzenschein in seine abgegriffene Kladde schreibt. Diese Arbeitsweise erklärt auch den strikten stream of consciousness-Style aller Tracks, hier wurde eindeutig nicht am Reißbrett konstruiert.
Mavericks Gesang schwankt qualitativ: Während die Hook von „Glücksfee“ sehr angenehm anzuhören ist, hätte bei „Kennedy“ ein bisschen Autotune nicht geschadet.

Die „Loser EP“ ist bis jetzt das beste Gute-Laune-Werk 2016 und ich bin beeindruckt. Maverick hat allen gezeigt dass er nicht nur redet sondern am Ende auch abliefert. Sein Socialmediagrind wird mich auch definitiv bis zu seinem nächsten Werk interessiert halten, dessen Erscheinen er bereits angedeutet hat. Die „Loser EP“ erhält von mir die Bewertung „Hoffentlich kann Maverick sich von den Einnahmen einen neuen TV leisten“.

Werbeanzeigen
Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s