Musik

Kann Tod Frieden Bringen – Schwarz Weiße Blumen (Review)

ms – So pünktlich wie Weihnachten kommt, schaue ich einmal pro Jahr schockiert auf meinen Kontoauszug und stelle fest, dass ich wieder 12 Monate die Domain für wir-tun-kritisieren.com gezahlt habe, ohne eine Review zu schreiben. Und ebenso pünktlich schreibe ich jedes Jahr um diese Zeit eine Alibi-Review, um mein Gewissen zu beruhigen.

Die Münchner Hardcoreband Kann Tod Frieden Bringen haben ihren ersten Release gedroppt, das 8-Song-Freealbum „Schwarz Weiße Blumen“. Full Disclaimer: Ich kenne die Jungs schon seit sie noch Keep The Flame Burning hießen und meine Band ist schon öfters mit ihnen aufgetreten. Du kannst also davon ausgehen, dass ich in dieser Review den Jungs ausschließlich den Dick sucken werde, um Blessuren im nächsten Pit zu vermeiden. Wenn du aber wissen willst, ob du dir „Schwarz Weiße Blumen“ anhören solltest, sage ich dir das selbe wie meiner Bank, als sie für das Einzahlen von Münzen 10€ Gebühr haben wollten: „Bist du dumm?“ Das Album ist 100% kostenlos online und offline anzuhören, also lad es dir runter und entscheide selbst. Fragst du etwa deine Mutter auch um Erlaubnis zum Scheißen?

KTFB erfinden sicher das Rad nicht neu, aber ihre Räder sind liebevoller und professioneller verarbeitet als bei so manchem ICE. Auf „Schwarz Weiße Blumen“ findet man alles für den Tagesgebrauch: Harte Breakdowns, treibende Galoppbeats, wunderschöne Postrock-Gitarrenläufe und donnernde Palmmute-Gewitter.

Für mich stechen vor allem die atmosphärischen Intros der Songs heraus, die den Spannungsbogen perfekt ziehen, bevor sich die geballte Power aller Instrumente entlädt. Im Kontrast dazu beginnt der Song „Narben auf den Armen“ auf 180 und lässt keine Sekunde nach. „Innere Stimme“ ist der rockigste Song der Platte, bestimmt durch schön sanfte Akkordfolgen und Arpeggios, ohne dabei wie eine Ballade zu klingen. Ich möchte behaupten, dass in diesem Song der größte Songwriting-Skill herauszuhören ist.

Tatsächlich ruhig und emotional wird es im Titeltrack von „Schwarz Weiße Blumen“, mit einem zurückgenommenen Instrumental, getragen durch Fatihs volle Stimme und drückende Shouts.

Mein persönlicher Favorit ist „Fühl dich frei“, der wohl hoffnungsvollste und optimistischste Song, mit dessen Text sich jeder Kreative auf der Welt identifizieren können sollte.

Die deutschen Texte aller Songs sind durchweg tight formuliert und zeigen ein extrem gutes Verständnis für die Beziehung zwischen Musik und Sprache. Fatih hat keine Angst ein Reimschema zu brechen, um dafür eine Message besser rüberbringen zu können. Inhaltlich werden dabei eher psychologische Bilder gemalt, als tatsächliche Stories zu erzählen oder Themen zu behandeln. Dabei geht es sehr düster zu, ohne jemals weinerlich zu klingen. Hier schreibt kein hormonell überlasteter Teenager seinen Frust von der Seele, Fatih muss wirklich Dinge in seinem Leben gesehen haben.

Ist „Schwarz Weiße Blumen“ also der beste Release aller Zeiten? Nicht wirklich: Mein größter Kritikpunkt ist das abschließende Instrumental des Albums, betitelt mit „?“. Warum zum Teufel gibt es auf diesem Lied keinen Gesang? War Fatih an dem Studiotag im Urlaub? Als Band mit einem festen Sänger gibt es wirklich keinen logischen Grund, ein solches Instrumental auf das Album zu packen. Der Song liefert keine Rechtfertigung für diese Entscheidung und hätte auch mit Gesang perfekt funktioniert. Ohne klingt er wiederrum langweilig und unvollständig.

Zusätzlich hätte man gerade bei den Vocals manchmal mehr Takes aufnehmen können. Immer wieder muss Fatih Atempausen einlegen und Zeilenenden abgeschneiden, um im Takt bleiben zu können. Das ist wahrscheinlich mangelnder Studioerfahrung geschuldet und wird mit den nächsten Releases sich sicher von selbst auskurieren.

Außerdem gehört der Tontechniker für den Mix von „Deine Gasse“ gerügt: Der Song hat so fette Palmmuting-Riffs, die in der Aufnahme überhaupt nicht zum Tragen kommen, obwohl die Komposition an sich eigentlich alles zerficken müsste.

Trotz meiner Kritikpunkte höre ich „Schwarz Weiße Blumen“ seit dem Release rauf und runter und bin von den 8 Songs noch lange nicht müde geworden. Jetzt freue ich mich aufs nächste Konzert!

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